Post-View-Tracking: Warum der View-Cookie schwächer sein muss als der Klick
Post-View-Tracking: Warum der View-Cookie schwächer sein muss als der Klick Post-View ist eines der Themen, die im Affiliate Marketing alle paar Jahre
zurückkommen. Heute heißt es meist View-Through-Attribution, der Konflikt dahinter
ist unverändert: Ein Publisher blendet ein Werbemittel ein, der Nutzer klickt nicht,
und trotzdem wird ein Cookie gesetzt. Kauft dieser Nutzer später, kann die
Einblendung die Provision beanspruchen.
Die Empörung darüber ist verständlich. Wenn die Sales einbrechen, weil plötzlich
View-Cookies die Klicks überschreiben, verliert ein Content-Partner Umsatz für Arbeit,
die er geleistet hat. Nur liegt das Problem selten am Post-View selbst.
Die eine Regel, an der alles hängt
Der View-Cookie muss schwächer gewichtet sein als der Klick-Cookie. Immer.
Auch dann, wenn View und Klick aus unterschiedlichen Netzwerken kommen.
Technisch ist das lösbar, und zwar seit Jahren. Wer es trotzdem anders betreibt,
braucht sich nicht zu wundern, wenn die Partner gehen. Und das ist für den Advertiser
teurer, als es zunächst aussieht: Sind die Content- und Gutschein-Partner erst
abgewandert und stellt sich dann heraus, dass der Post-View-Partner allein das Volumen
nicht trägt, steht das Programm ohne beide Seiten da.
Drei Setups – und nur eines ist sauber
- Kein Post-View. Die einfachste Variante. Kostet Reichweite,
kostet aber auch keine Diskussion. - Post-View ohne eigene Trackingweiche. View-Cookies sind schwächer
als Klick-Cookies, Dopplungen zwischen Netzwerken müssen aber von Hand aufgelöst
werden. Im Zweifel gewinnt der Klick. Das funktioniert, skaliert aber schlecht. - Post-View mit eigener Trackingweiche, die zwischen View und Klick
unterscheidet. Damit entstehen keine Dopplungen, und jeder Partner bekommt, was ihm
zusteht. Das ist die saubere Lösung.
Wie eine Trackingweiche grundsätzlich arbeitet und was sie entscheidet, bevor
„Last Cookie Wins“ überhaupt greift, steht im Wiki-Kapitel
Netzwerke und Tracking.
Was seit damals dazugekommen ist
Zwei Dinge haben sich verändert, seit dieses Thema zum ersten Mal hochkochte.
Einwilligung. Ohne Zustimmung wird kein Cookie gesetzt – auch kein
View-Cookie. Ein Teil der Einblendungen ist damit schlicht nicht mehr messbar.
Cookie-Laufzeiten. View-Tracking hängt stärker an Mechanik, die
Browser inzwischen einschränken, als Klick-Tracking. Wer heute Post-View einkauft,
sollte vorher wissen, welcher Anteil der Views überhaupt noch ankommt – und nicht erst
hinterher.
Die Rechnung, die selten jemand aufmacht
Aus Sicht des Advertisers ist Post-View eine günstige Möglichkeit, Bekanntheit
aufzubauen. Der erreichbare Tausenderkontaktpreis liegt oft unter dem, was eine
Direktbuchung kostet. Das ist ein echtes Argument.
Das Gegenargument ist ebenso echt: Man vergütet Sales mit, die ohnehin gekommen
wären. Nur gilt das nicht nur für Post-View – auch Bestandskunden suchen nach
Gutscheinen und landen über einen Partner im Shop, in dem sie sowieso gekauft hätten.
Die Frage ist nicht, ob dieser Mitnahmeeffekt existiert, sondern wie groß er ist und
ob der Bekanntheitseffekt ihn ausgleicht.
Diese Rechnung habe ich selten gesehen. Wer Post-View einsetzt, sollte sie machen –
mit dem ROAS- und ROI-Rechner ist das eine
Sache von Minuten.
Und die Provision?
Ein häufiges Missverständnis: Post-View senke die Provision für alle. Das muss
nicht sein. In jedem gängigen Netzwerk lassen sich Provisionen partnerindividuell
zuweisen. Ein Post-View-Partner kann also eine andere Vergütung bekommen als ein
Content-Partner – und sollte es auch, weil er eine andere Leistung erbringt.
Fazit
Post-View ist kein Betrug. Post-View ohne Trackingweiche schon eher – jedenfalls
gegenüber den Partnern, deren Klicks überschrieben werden. Die Entscheidung ist keine
moralische, sondern eine technische: Entweder du kannst View und Klick sauber trennen,
oder du lässt es.
Dieser Beitrag ist eine überarbeitete Fassung von „Post View Mein Senf dazu!!“ aus dem onlyoneway-Blog (Oktober 2009). Der fachliche Kern stammt von dort, der Text wurde für Affiliate Thinking neu geschrieben und auf den heutigen Stand gebracht.
Why the view cookie must always be weaker than the click
Post-view is one of those topics that returns to affiliate marketing every few years. Today it is usually called view-through attribution; the conflict behind it is unchanged. A publisher serves a creative, the user does not click, and a cookie is set anyway. If that user buys later, the impression can claim the commission.
The outrage is understandable. When sales collapse because view cookies suddenly overwrite clicks, a content partner loses revenue for work they actually did. But the problem is rarely post-view itself.
The one rule everything hangs on
The view cookie must be weighted weaker than the click cookie. Always. Including when view and click come from different networks.
This has been technically solvable for years. Run it otherwise and you should not be surprised when partners leave — and that costs more than it first looks. Once content and voucher partners have gone and the post-view partner alone turns out not to carry the volume, the programme is left without either side.
Three setups, only one of them clean
- No post-view. The simplest option. Costs reach, but costs no arguments either.
- Post-view without a dedicated tracking switch. View cookies are weaker than click cookies, but duplicates between networks have to be resolved by hand. In case of doubt, the click wins. It works, but it does not scale.
- Post-view with a dedicated tracking switch that distinguishes view from click. No duplicates, and every partner gets what is theirs. That is the clean solution.
How a tracking switch works is in the wiki chapter Networks and tracking.
What has changed since then
Consent. Without permission no cookie is set — not even a view cookie. Part of your impressions is simply no longer measurable.
Cookie lifetimes. View tracking depends more heavily on mechanisms browsers now restrict than click tracking does. If you buy post-view today, find out beforehand what share of views still arrives at all.
The calculation almost nobody makes
From the advertiser’s side, post-view is a cheap way to build awareness. The achievable cost per thousand impressions is often below a direct buy. That is a real argument.
The counter-argument is equally real: you also pay for sales that would have happened anyway. But that is not unique to post-view — existing customers search for vouchers too and land in your shop via a partner they would have reached anyway. The question is not whether this carry-over effect exists, but how large it is and whether the awareness effect offsets it.
I have rarely seen that calculation made. If you run post-view, make it — the ROAS and ROI calculator turns it into a few minutes of work.
And the commission?
A common misunderstanding: that post-view lowers everyone’s commission. It need not. Every common network lets you assign commissions per partner. A post-view partner can be paid differently from a content partner — and should be, because they deliver something different.
Conclusion
Post-view is not fraud. Post-view without a tracking switch comes closer — at least towards the partners whose clicks get overwritten. The decision is not a moral one but a technical one: either you can separate view and click cleanly, or you leave it alone.
